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Beihilfe & Physiotherapie: was man unbedingt wissen sollte!

Was Beihilfepatienten in der Physiotherapie beachten müssen:

Beihilfeversicherte Personen sind häufig darüber verwundert, dass Sie einen Teil der Behandlungskosten in der Physiotherapie selbst bezahlen müssen. Wer keine Versicherung zusätzlich zur Beihilfeversicherung hat, muss aufgrund der niedrigen Erstattungssätze der Beihilfestellen häufig einen Teil der Behandlungskosten in der Physiotherapie selbst bezahlen.

Als Physiotherapeut in Heidelberg erlebe ich, dass viele Beihilfeversicherte sich mit ihrer Versicherung nur wenig auskennen. Vielen Beihilfeversicherten ist nicht bewusst, dass die beihilfefähigen Höchstsätze in der Physiotherapie vom Bundesinnenministerium (BMI) mit Absicht zu niedrig angesetzt sind. Es ist also vom BMI gewollt, dass Beihilfeversicherte Personen für einen Teil ihrer Behandlungskosten aufkommen sollen. 

Wer als Beihilfepatienten am Ende alles erstattet haben möchte, muss sich über die Höhe der zu niedrigen beihilfefähigen Höchstsatze hinaus versichern.

In diesem Artikel erfahren Beihilfeversicherte alles, was Sie zur Physiotherapie bei Beihilfeversicherung wissen müssen und worauf von Anfang an zu achten ist.

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Das steht über Beihilfe in der Physiotherapie im Text:

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Ablauf Physiotherapie als Beihilfepatient mit Physiotherapierezept

Da insbesondere viele jüngere Beihilfepatienten mit dem Prozedere der Physiotherapie als Beihilfe- oder Privatpatient nicht vertraut sind, hier ein kurzer, mit Überschriften gegliederter Überblick.

 

Wer als Beihilfe- oder Privatversicherter ein Rezept für Physiotherapie von seinem Arzt bekommen hat, nimmt in der Regel als erstes Kontakt mit einer Praxis für Physiotherapie auf, um einen Termin zu vereinbaren.

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Terminvereinbarung mit der Physiotherapie Praxis

Bei der Terminvereinbarung fragt die Praxis in der Regel die Daten der versicherten Person sowie den genauen Text der Verordnung ab. Wer Termine für Physiotherapie vereinbaren möchte, sollte sein Rezept vorliegen haben. Je nach verordnetem Heilmittel unterscheiden sich die Dauer oder die Kosten der Behandlung.

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Behandlungsvertrag: Honorarvereinbarung, AGB´s

Grundsätzlich sollte man sich immer die Informationen des Behandlungsvertrages vor Beginn der Behandlung vorlegen lassen. Im Behandlungsvertrag werden alle relevanten Eckpunkte zwischen Versichertem und der Physiotherapiepraxis geregelt.

Im Gegensatz zu gesetzlich versicherten Patienten schließt die Privat- oder Beihilfeversicherte Person mit der Praxis einen Behandlungsvertrag. Für die Erfüllung der vertraglich vereinbarten gegenseitigen Verpflichtungen sind also nur die jeweilige Praxis und der Versicherte verantwortlich.

Es ist also als Privat- oder Beihilfeversicherte Person völlig unerheblich, ob die Kosten für die Physiotherapie von der eigenen Versicherung am Ende ganz, gar nicht- oder nur teilweise erstattet werden. Wer als Versicherte Person die Leistung gemäß Behandlungsvertrag erhalten hat, ist zur Zahlung der Behandlungsrechnung in der gesetzten Zahlungsfrist verpflichtet.

 

Es ist somit ausdrücklich nicht zulässig, das Honorar im Nachhinein zu kürzen, weil die Versicherung (z. B. die Beihilfe) nicht die gesamten Behandlungskosten übernommen hat. Auch eine Ausweitung der Zahlungsfrist aufgrund langer Bearbeitungszeiten der Versicherungsgesellschaften oder Beihilfestellen ist nicht zulässig.

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Preis der Behandlung

Der Preis der Behandlung kann durch jede Praxis individuell kalkuliert und festgelegt werden. Entgegen dem Irrglauben vieler Beihilfepatienten (und auch einiger Versicherungen) handelt es sich bei den Beihilfesätzen weder um Höchstpreise noch um eine angemessene oder übliche Vergütung. Tatsächlich ist das genaue Gegenteil der Fall.

Die beihilfefähigen Höchstsätze in der Physiotherapie sind vom Bundesinnenministerium absichtlich zu niedrig angesetzt. Auf diesen Punkt wird weiter unten genauer eingegangen.

Für den Beihilfe- oder Privatversicherten ist in Bezug auf den Preis wichtig zu wissen, dass er erhaltene Behandlungen am Ende zum vereinbarten Preis zu bezahlen hat. Egal, ob, wie und was von seiner Versicherung an Kosten übernommen wird.

 

Der Begriff „Höchstsatz“ steht also für den Höchstbetrag, den die Beihilfeversicherung bei den Kosten erstattet. Es handelt sich also nicht um generelle Höchstpreise in der Physiotherapie.

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Beihilfefähige Höchstsätze in Physiotherapie absichtlich zu niedrig

Die vom Bundesinnenministerium für die Physiotherapie in der Beihilfe festgelegten Höchstsätze sind bewusst niedrig angelegt. Gemäß der Bezeichnung „Beihilfe“ soll es sich eben nicht um eine Vollversicherung handeln, sondern um eine Kostenbeihilfe.

Das Bundesinnenministerium bestätigte bereits 2004: „Beihilfeberechtigte sollen zuzahlen!“, weiterhin heißt es: „Die Höchstsätze für Heilmittel in der Bundesbeihilfeverordnung beinhalten daher bewusst keine vollständige Kostendeckung. Der den beihilfefähigen Höchstbetrag übersteigende Betrag entspricht somit der Eigenbeteiligung des Beihilfeberechtigten“.
Inhaltliche Quelle: Pressemitteilung des Bundesinnenministeriums vom 07.02.2004

 

Zusätzlich zu den niedrigen Beihilfesätzen kommt, dass diese nur selten erhöht werden. Steigende Kosten durch Pandemien und Energiekrisen werden somit in der Regel nicht abgebildet. Die Kluft zwischen beihilfefähigem Höchstsatz und den gängigen Behandlungspreisen in der Physiotherapie wird somit größer. Dadurch steigt auch der Kostenanteil, den beihilfeversicherte Personen am Ende selbst tragen sollen.

Gesetzliche Versicherung, Beihilfe, Privatversicherung Physiotherapie Preise Vergleich
Beihilfefähige Erstattungsgrenzen sind zu niedrig, teils auf Level der Gesetzlichen Versicherung (GKV) oder darunter.

Da zu erwarten ist, dass sich dieser Zustand in Zukunft weiter verschlechtert, sollten sich Beihilfeversicherte Personen über Zusatzversicherungen Gedanken machen. Einige Verletzungen können Monate oder jahrelange Physiotherapie nötig machen. Bei unzureichendem Versicherungsschutz können sich hierbei für Beihilfeversicherte ohne Zusatzversicherungen hohe Kosten ergeben.


Das Bundesministerium des Innern (BMI) verweigert sich seit Jahren gegen Anpassungen der beihilfefähigen Höchstbeträge. Das BMI verweist darauf, dass es den Heilmittelpraxen ja möglich ist, Kostenerhöhungen in den Praxen durch erhöhte Berechnungssätze gegenüber dem beihilfeberechtigten Patienten geltend zu machen. Weiterhin teilt das BMI dem Berufsverband Physio Deutschland eindeutig mit: Die Beihilfe dient nicht dem Zweck, die vollständigen Kosten der Beihilfeberechtigten zu decken.
Inhaltliche Quelle: Berufsverband Physio Deutschland

 

Weitere Informationen zum Thema beihilfefähige Höchstsätze und Physiotherapie finden Sie hier:

 

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Therapeutische Leistung und Qualität

Grundsätzlich können Art- und Dauer der Behandlung von Patient und Therapeut völlig frei vereinbart werden. Wer Wert auf die Erstattung der Behandlungskosten legt, sollte die Therapie mit seinem Therapeuten entsprechend seines Rezeptes für Physiotherapie planen.

 

Die Art- und Dauer der therapeutischen Leistung sind häufig durch ein vorliegendes Physiotherapierezept vorgegeben. Grundsätzlich sollte man als Patient nicht nur die Dauer und den Preis vergleichen. Die Qualität einer physiotherapeutischen Behandlung sowie die Fachkompetenz des Physiotherapeuten können sich erheblich unterscheiden. Dieser Fakt drückt sich nicht selten auch im Preis der Behandlung aus.

Als Patient sollte man nicht nur auf Dauer und Preis der Leistung achten. Die fachliche Qualifikation des Physiotherapeuten sollte ein wichtiger Teil der Entscheidung sein. Schließlich ist eine erfolgreiche Behandlung das übergeordnete Ziel jeder Therapie. Auch in der Therapie gilt: billig ist selten besser.

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Abrechnung und Zahlungsfrist

Im Gegensatz zu gesetzlich versicherten Personen rechnet die Praxis direkt mit dem Privat- oder Beihilfepatienten ab. Wie abgerechnet wird, kann sich von Praxis zu Praxis unterscheiden. Einige Praxen lassen jede Therapiesitzung nach Ende mit EC-Karte vor Ort bezahlen, andere stellen eine Zwischenrechnung nach der Hälfte des Rezeptes, oder machen eine Sammelrechnung am Ende der Behandlungen.

 

Es können sowohl die Abrechnungsmodalitäten als auch die Zahlungsfristen von der Physiotherapiepraxis frei festgelegt werden. Diese Modalitäten sind Teil des Behandlungsvertrages und somit bindend.

 

Wer sich nicht an die vereinbarte Zahlungsfrist hält, riskiert in einem Mahnverfahren zu landen. Ob die eigene Versicherung bei der Bearbeitung der Erstattung länger benötigt, ist für die eigene Verpflichtung zur Zahlung unerheblich.

 

Erstattet die eigene Versicherung nicht die gesamte Rechnung der Behandlung, ändert das nichts an der eigenen Verpflichtung zur Zahlung.

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Vereinbarungen für Terminausfall

In der Regel werden nicht rechtzeitig abgesagte Termine den Patienten in voller Höhe in Rechnung gestellt, wenn diese nicht neu vergeben werden können. Die Terminausfallregelung wird häufig mithilfe einer Termintreuevereinbarung geregelt. Der Zeitraum, indem Termine kostenfrei abgesagt werden können, kann von jeder Praxis frei bestimmt werden. Viele Praxen geben hier eine Zeit von 24 Stunden vor, möglich sind auch kürzere oder längere Zeiträume.

 

Rechtliche Grundlage für die Weitergabe der Ausfallkosten (Ausfallgebühr) ist der sogenannte Annahmeverzug, geregelt in § 615 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Passive Leistungen wie Fango oder Ultraschall dürfen bei einem Ausfall nicht berechnet werden, da bei Nicht-Inanspruchnahme kein Ausfall entsteht.

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Ende der Behandlung: Rechnung an Patienten

Am Ende der Behandlung bekommt die Privat- oder Beihilfeversicherte Person die Rechnung für die erbrachten Behandlungsleistungen. Die versicherte Person ist zur Zahlung gemäß der vereinbarten Zahlungsfrist verpflichtet.

 

Ob und wann die eigene Versicherung die eigenen Behandlungskosten erstattet, ist hierfür völlig unerheblich. Auch wenn die Versicherung (z. B. die Beihilfe) nur einen Teil der Kosten erstattet, ist die versicherte Person zur Zahlung verpflichtet.

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Worauf Beihilfeversicherte in der Physiotherapie unbedingt achten sollten:

Für Beihilfeversicherte gibt es in der Physiotherapie einige Fallstricke, die problematisch werden können. Insbesondere die viel zu niedrigen beihilfefähigen Höchstsätze in Kombination langen Bearbeitungszeiten bei der Erstattung durch die Beihilfestellen können für manchen Beihilfepatienten eine Herausforderung darstellen.

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Behandlungsvertrag vor Beginn der Behandlung AUFMERKSAM lesen

Lesen Sie den Behandlungsvertrag genau vor Beginn der Behandlung. Achten Sie als Beihilfepatient auf Termintreuevereinbarungen, Zahlungsfristen und die Höhe der Vergütung.

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Eigenanteil an Behandlungskosten vor Beginn klären

Klären Sie vorher, wie hoch ihr Eigenanteil an den Behandlungskosten sein wird. Vergleichen Sie hierzu den beihilfefähigen Höchstsatz für Physiotherapie in ihrem Bundesland und die Behandlungskosten der Praxis.

 

Beachten Sie, dass die Beihilfe in der Regel nur 70 % des beihilfefähigen Höchstsatzes abdeckt. Beihilfeversicherte ohne Zusatzversicherung müssen somit die 30 % Differenz zum Höchstsatz sowie alles, was über den Höchstsatz hinausgeht, selbst bezahlen.

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Behandlungsrechnungen fristgerecht bezahlen

Da die Bearbeitungszeiten der Versicherungen und Beihilfestellen immer länger wurden, müssen Beihilfe- und Privatpatienten bei den Behandlungskosten in Vorleistung gehen. Speziell die Bearbeitungszeiten mancher Beihilfestellen sind mehrere Wochen lang.

 

Als Privat- oder Beihilfeversicherter ist man hier in der Pflicht bei den Behandlungskosten für die Physiotherapie in Vorleistung zu gehen. Nehmen Sie unbedingt Kontakt mit Ihrem Therapeuten auf, wenn Sie mehr Zeit zur Zahlung benötigen. Wer die rechtzeitige Bezahlung der eigenen Behandlungskosten schuldig bleibt, riskiert ein teures Mahnverfahren oder Inkassokosten.

 

Da die Physiotherapiepraxen für die langen Bearbeitungszeiten der Versicherungsgesellschaften nicht verantwortlich sind, ist der Versicherte nicht berechtigt, die Begleichung der Rechnung vorzuenthalten.

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WICHTIGSTER TIPP: Versicherungsschutz verbessern = Kosten sparen!

Da die Erstattungssätze der Beihilfe bewusst zu niedrig angesetzt sind, ist nicht zu erwarten, dass sich dieser Zustand in naher Zukunft ändert. Im Gegenteil ist zu erwarten, dass Beihilfeversicherte Personen auch zukünftig an ihren Behandlungskosten beteiligt werden sollen. Steigende Kosten und ausbleibende Erhöhungen der Beihilfe-Erstattungssätze werden den Eigenanteil zukünftig noch weiter steigen lassen.

Beihilfeversicherte Personen, die möglichst wenig zu ihren Behandlungskosten in der Physiotherapie zuzahlen wollen, sollten unbedingt ihren Versicherungsschutz verbessern.


Es empfiehlt sich eine Versicherung, welche die Honorare der Physiotherapie auch über den beihilfefähigen Höchstsatz hinaus abdeckt.

 

So lässt es sich vermeiden, Behandlungskosten selbst bezahlen zu müssen.

Auch Stiftung Warentest empfiehlt Beamten, sich entsprechend zu versichern:
Private Kranken­versicherung für Beamte: So zahlen Sie weniger dazu (test.de)

Autor: Dominik Klaes, Physiotherapeut in Heidelberg

Dominik Klaes Physiotherapeut und Krankengymnast in Heidelberg
Physiotherapeut Dominik Klaes

Dominik Klaes ist Physiotherapeut, Krankengymnast und Personal Trainer in Heidelberg. Er behandelt in seiner Praxis für Physiotherapie Heidelberg, genauer gesagt in der Heidelberger Weststadt, insbesondere Patienten mit Beschwerden des Bewegungsapparates (Gelenke, Muskeln, Faszien, Bänder, Sehnen, Bandscheiben etc.) mit Strategien der Physiotherapie, Krankengymnastik & Personal Training.

 

Neben der Physiotherapie, Krankengymnastik, Manuelle Therapie und Personal Training in Heidelberg betreut er leistungsorientierte Wind- und Kitesurfer in der Surfer-Sprechstunde (Online und Videotherapie) in ganz Deutschland. Weitere Informationen zu Dominik Klaes gibt es unter dem Menüpunkt über mich.

Quellen für Artikel Beihilfe und Physiotherapie

Bildverweise

Bild im Seitenkopf von Nino Liverani on Unsplash
Bild Anatomie Brustkorb von Photo by Solal Ohayon on Unsplash
Bild Kickboxer von Photo by Wade Austin Ellis on Unsplash