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Frozen Shoulder: ein Leitfaden für Betroffene.

Physiotherapeut erklärt das Phänomen der „gefrorenen Schulter“.

Schulterprobleme können die Lebensqualität beeinträchtigen, besonders wenn sie dazu führen, dass sich die Bewegungsfreiheit der Schulter verschlechtert. Insbesondere Patienten mit einer sogenannten "frozen shoulder" berichten mir als Physiotherapeut in Heidelberg über die Angst, ihre Schmerzen könnten chronisch werden oder dass sie operativ behandelt werden müssen.

 

Die gute Nachricht ist: In vielen Fällen lässt sich eine frozen shoulder (auf Deutsch „gefrorene Schulter oder Schultersteife“) erfolgreich behandeln und die Beweglichkeit der Schulter wiederherstellen – in den meisten Fällen ohne eine Operation.

 

In diesem Blog-Artikel beschreibe ich meine Erfahrungen in der Behandlung von Patienten mit Schultersteife als Physiotherapeut in Heidelberg. Im Artikel findet sich alles Wissenswerte über die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten einer frozen shoulder.

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Das steht über frozen shoulder im Text:

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Was ist eine gefrorene Schulter?

Viele Menschen haben im Laufe ihres Lebens einmal mit Schulterschmerzen zu kämpfen. Meist sind diese nicht weiter schlimm und vergehen von selbst wieder. Doch manchmal kann es auch zu einer sogenannten „gefrorenen Schulter“ kommen, auch bekannt als periarthritis humeroscapularis oder adhäsive Kapsulitis.

 

Eine frozen shoulder beginnt häufig mit zunehmenden einseitigen Schmerzen in der Schulter und fortschreitender Einschränkung der Beweglichkeit. Im Verlauf der Schultersteife werden die Schmerzen häufig eher weniger, die Einschränkung der Beweglichkeit aber eher mehr. Zum Ende der Beschwerden verbessert sich auch die Beweglichkeit wieder.  Viele Patienten können das alte Bewegungsausmaß wieder erreichen. Untersuchungen der letzten Jahre zeigen, dass das leider nicht bei allen Patienten gelingt.

Das Bild zeigt einen Menschen mit frozen shoulder, Schultersteife
Frozen shoulder: Schmerz und Abnahme der Beweglichkeit

Bei vielen Betroffenen ist die frozen shoulder nach etwa einem Jahr wieder vorbei und die Schulter weitestgehend normal einsetzbar. Es gibt jedoch auch einen geringeren Teil von Patienten, die länger Beschwerden haben. Auch kann es bei einem kleinen Teil der Betroffenen zu bleibenden Einschränkungen in der Funktion der Schulter kommen. Der Großteil der betroffenen Personen kann die Schulter nach Abklingen der frozen shoulder wieder normal einsetzen.

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Wie häufig ist eine frozen shoulder?

Die gefrorene Schulter ist mit 0,75 % - 2 % relativ selten, tritt meistens bei Menschen ab dem 40. Lebensjahr auf und trifft häufiger Frauen als Männer. Wieso Frauen häufiger von der frozen shoulder betroffen sind, konnte bisher nicht zuverlässig geklärt werden.

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Ursachen der gefrorenen Schulter

Die gefrorene Schulter ist eine Erkrankung des Schultergelenks, die wahrscheinlich durch Entzündungen der Sehnen und dem Schultergelenk verursacht wird. In den meisten Fällen ist nicht genau bekannt, wieso genau es zur Entzündung kommt und warum die Schulter auch bei abklingenden Schmerzen steif bleibt.

 

In der Forschung werden als mögliche Ursachen für Entzündung und Steifigkeit (frozen) der Schulter mehrere Möglichkeiten diskutiert. Neben der recht populären Theorie der Verfestigung, oder Schrumpfung der Kapsel durch den Entzündungsprozess gibt es weitere Hypothesen.

 

Weitere mögliche Erklärungen sind Steifigkeit als gesteigerte Schutzreaktion des Nervensystems auf die Entzündungsprozesse sowie genetische Faktoren, die das Risiko für eine frozen shoulder erhöhen könnten.

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Risikofaktoren für frozen shoulder

Es scheint Risikofaktoren zu geben, die das Auftreten der Erkrankung begünstigen könnten:

  • Alter: Die gefrorene Schulter tritt häufiger bei Menschen ab dem 40. Lebensjahr auf.
  • Geschlecht: Frauen sind etwas häufiger von der Erkrankung betroffen als Männer.
  • Diabetes: häufig veränderte Stoffwechsellage, dies scheint das Risiko für Schultersteife zu erhöhen.
  • Unfall, Trauma, Operation am Schultergelenk: frozen shoulder tritt häufiger auf.
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Symptome der gefrorenen Schulter

Die gefrorene Schulter ist eine langsam fortschreitende Erkrankung, die in der Regel zunächst nur leichte Symptome verursacht. Diese Symptome können jedoch mit der Zeit zunehmen und zu erheblichen Beeinträchtigungen führen.

 

Die möglichen Symptome der gefrorenen Schulter sind:

  • Schmerzen in der Schulter: können mit Bewegung oder Ruhe beginnen und mit der Zeit häufig immer stärker werden. Teils auch ein brennendes Gefühl mit Ausstrahlung in den Oberarm.
  • Steife Schulter: Die Beweglichkeit der betroffenen Schulter ist eingeschränkt.
  • Schlaflosigkeit: Die Schmerzen in der Schulter können dazu führen, dass Betroffene schlecht schlafen. Bei einigen Patienten sind die Schmerzen nachts am schlimmsten.

 

Die gefrorene Schulter kann zu erheblichen Beeinträchtigungen führen und die Lebensqualität betroffener Menschen erheblich beeinträchtigen.

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Diagnose der gefrorenen Schulter

Die Diagnose einer gefrorenen Schulter basiert meist auf den Symptomen und Anzeichen, die Sie und Ihr Arzt oder Physiotherapeut beobachten.

In den meisten Fällen kann die Diagnose einer gefrorenen Schulter anhand Ihrer Symptome und der Befragung zu Ihrer Krankengeschichte gestellt werden. In einigen Fällen kann der Arzt eine Röntgenaufnahme oder ein MRT empfehlen, um andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können.

 

Obwohl es keine spezifischen Bluttests für die Diagnose einer gefrorenen Schulter gibt, können bestimmte Bluttests helfen, andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu können z.B. ein vollständiges Blutbild und ein Test auf rheumatoide Arthritis gehören.

Ein Physiotherapeut untersucht die Schulter einer Frau.
Untersuchung der Schulter durch den Physiotherapeuten
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Behandlungsmöglichkeiten für die gefrorene Schulter

Da die gefrorene Schulter eine langsam fortschreitende Erkrankung ist, wird in den meisten Fällen zunächst eine konservative Behandlung versucht. Dabei stehen hauptsächlich Maßnahmen zur Linderung der Symptome im Vordergrund, da bisher keine Behandlung bekannt ist, die die Erkrankung direkt heilen kann.

 

Zu den wichtigsten Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden gehören:

  • Physiotherapie: Krankengymnastische Übungen können helfen, die Beweglichkeit der betroffenen Seite wiederherzustellen und die Muskeln zu stärken.
  • Medikamente: In manchen Fällen können entzündungshemmende oder schmerzlindernde Medikamente helfen, die Symptome zu lindern. In schweren Fällen können auch cortisonhaltige Spritzen in den betroffenen Bereich gegeben werden.

 

Bei einem geringen Anteil der Betroffenen kann es im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung oder bei unzureichender Wirkung konservativer Maßnahmen notwendig sein, operativ einzugreifen. Dabei wird i.R. versucht, die Beweglichkeit des Schultergelenks wiederherzustellen.

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Wichtigste Behandlung: Physiotherapie bei frozen shoulder

Die wichtigste Therapie bei der gefrorenen Schulter ist die Physiotherapie. Durch gezielte Übungen soll die Beweglichkeit der Schulter verbessert und die Schmerzhaftigkeit verbessert werden. In den meisten Fällen der frozen shoulder dauert die Physiotherapie und Rehabilitation mehrere Monate bis zu einem Jahr.

Bei einigen Verläufen kann die Behandlungsphase deutlich länger als ein Jahr betragen. Um einen erneuten Rückgang der Beweglichkeit zu verhindern, ist es wichtig, dass die betroffene Person neben der Physiotherapie in der Praxis regelmäßig Übungen für Kraft- und Beweglichkeit durchführt.

Übungsbehandlung einer Patientin mit Schulterproblemen in meiner Praxis für Physiotherapie in Heidelberg
Übungsbehandlung einer Patientin mit frozen shoulder.

In der Physiotherapie ist es besonders wichtig, die Intensität der Behandlung sowie der Übungen stetig an die aktuelle Situation der Frozen Shoulder anzupassen. Hierfür ist es für Betroffene von Vorteil einen Physiotherapeuten aufzusuchen, der sich nicht nur mit dem Krankheitsbild auskennt, sondern auch Kompetenzen im Bereich des medizinischen Trainings und der Übungsbehandlung mitbringt.

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Typischer Verlauf bei frozen shoulder

Der Verlauf einer frozen shoulder wird häufig in mehrere Phasen unterteilt:

Freezing – einfrierende Phase:
In der ersten Phase, der sogenannten „Freezing“ Phase, stehen die Schmerzen im Vordergrund und die Beweglichkeit nimmt ab. In dieser Phase stehen die Schmerzen in der Schulter im Vordergrund.

Frozen – gefrorene Phase:

In der zweiten Phase, der „Frozen“ Phase, steht v.a. die Steifigkeit und Bewegungseinschränkung der Schulter im Vordergrund. Schmerzen werden in dieser Phase häufig eher am Ende der Bewegung empfunden.

Thawing – auftauende Phase:
Die dritte und letzte Phase, die „Thawing“ Phase, ist die Zeit, in der die Schmerzen weiter abnehmen und das Schultergelenk wieder beweglicher wird. Am Ende dieser Phase haben bei viele Betroffenen deutlich weniger Schmerzen und eine Besserung der Schulterbeweglichkeit.

 

Wie lange diese Phasen dauern, ist sehr individuell. In früheren Theorien wurden den jeweiligen Phasen feste Zeiträume zugeschrieben. Neuere Forschungsarbeiten zeigen einen sehr individuellen zeitlichen Verlauf der einzelnen Phasen der frozen shoulder.

Auch gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass nicht alle frozen shoulder PatientInnen zu voller Schulterfunktion zurückkehren können. Warum das so ist, ist nicht abschließend geklärt.

Verlauf eines frozen shoulder Patienten in meiner Praxis für Physiotherapie in Heidelberg
Verlauf eines frozen shoulder Patienten (linke Skala Schmerz, rechte Skala Behinderungsgrad).

Die oben stehende Grafik zeigt den Verlauf eines frozen shoulder Patienten, den ich als Physiotherapeut in meiner Praxis behandelt habe. Der linke Balken steht für die Stärke der Schmerzen, der rechte Balken für die Stärke der subjektiv wahrgenommenen Behinderung des Armes. Die Grafik zeigt eindrücklich den Behandlungsverlauf eines echten Patienten mit frozen shoulder.

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Fazit frozen shoulder: schmerzhaft, teils langwierig, i.R. gute Prognose

Die frozen shoulder ist eine oft langwierige, teils schmerzhafte Erkrankung mit meist guter Prognose. Die meisten betroffenen Personen können die Schmerzen und die Steifigkeit in der Schulter überwinden und finden häufig innerhalb 6–12 Monaten zurück zur alten Lebensqualität. Leider scheint es nicht bei allen Patienten zu gelingen, dass die frozen shoulder folgenlos ausheilt.

Für den Verlauf der Erkrankung ist es wichtig, sich zur richtigen Zeit auch richtig zu verhalten, um den Heilungsverlauf der Erkrankung optimal zu unterstützen. Hierfür ist die Beratung, Behandlung und Begleitung durch kompetente Physiotherapie äußerst sinnvoll.

Von einer frozen shoulder betroffene Personen benötigen Geduld und Zuversicht. In vielen Fällen heilt die Erkrankung weitestgehend folgenlos aus.

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Autor: Dominik Klaes, Physiotherapeut in Heidelberg

Dominik Klaes Physiotherapeut und Krankengymnast in Heidelberg
Physiotherapeut Dominik Klaes

Dominik Klaes ist Physiotherapeut, Krankengymnast und Personal Trainer in Heidelberg. Er behandelt in seiner Praxis für Physiotherapie Heidelberg, genauer gesagt in der Heidelberger Weststadt, insbesondere Patienten mit Beschwerden des Bewegungsapparates (Gelenke, Muskeln, Faszien, Bänder, Sehnen, Bandscheiben etc.) mit Strategien der Physiotherapie, Krankengymnastik & Personal Training.

 

Neben der Physiotherapie, Krankengymnastik, Manuelle Therapie und Personal Training in Heidelberg betreut er leistungsorientierte Wind- und Kitesurfer in der Surfer-Sprechstunde (Online und Videotherapie) in ganz Deutschland. Weitere Informationen zu Dominik Klaes gibt es unter dem Menüpunkt über mich.

Quellen für Artikel frozen shoulder

Bildverweise

Titelbild mit Canva Prolizenz von gettyimages.de

Bild mit Untersuchung Schultergelenk mit Pexels Lizenz von karolina grabowska